Anoki's Ausbildungsweg
Ausbildung 4. Lebensjahr
Im kommenden Ausbildungsjahr geht es ans Eingemachte. Irgendwann müssen wir ja mal endlich die Prüfung laufen und sollten wir es wider Erwarten nicht schaffen, hängen wir unsere Klamotten an den Nagel und arbeiten rein aus Spaß miteinander. Denn DANN liegt es definitiv nicht am Hund, der ganz große Klasse ist, sondern ausschließlich an Frauchens genereller Prüfungsangst und der Tatsache, dass Anoki und sein Frauchen emotional so eng miteinander verbunden sind.
In der Arbeit läuft es an sich super. Die Anzeigen kommen - bis auf wenige Ausnahmen, die dann Tagesformabhängig vom Frauchen sind - wie aus der Pistole geschossen und die Unterordnung ist in normaler Tagesform die reinste Wonne, so aufmerksam und völlig am Bein klebend wie dieser Hund läuft. Das Gefährliche daran ist eigentlich die Tatsache, dass man sich mit einer normalen, guten Form einfach nicht mehr zufrieden gibt und ständig dieses super Niveau erwartet und sich dann echt zusammenreißen muss , damit man sich über die "normale" Leistung auch noch erfreuen kann.
Ausbildung im 3. Lebensjahr
Das kommende Jahr wird auf jeden Fall dazu genutzt, die unterschiedlichsten Opferbilder einzubauen. Sowohl im normalen Anzeigeverhalten, wie auch in den Suchen, damit auch "komische" Dinge zur Normalität werden. Ansonsten werden Anokis Anzeigen weiter gefestigt, auch wenn er mir in seinem Leben erst eine einzige Anzeige so RICHTIG versemmelt hat, so dass wirklich kein Ton aus ihm raus kam, so war diese versemmelte Anzeige doch diejenige, die Frauchen erst mal über Monate sehr verunsichert hat. Inzwischen läuft es aber wieder super, so dass mit der Festigung weitergemacht werden kann.Unterordnungstechnisch geht es jetzt an die Kosmetik, da der Rest zweifelsfrei sitzt.
Ausbildung im 2. Lebensjahr
Im Moment ist Frauchen sehr verunsichert, was sich auch in der Arbeit ein wenig niederschlägt, aber solche Rückschläge sind ja durchaus normal und in unserem Job auch durchaus zwischendurch mal NOTWENDIG, um sich immer wieder vor Augen zu führen, dass wir alles keine Maschinen sind und man immer mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurück gebracht werden soll. So langsam merkt man aber auch, dass sich die Unsicherheit auf beiden Seiten wieder legt und die Anzeigen kommen wieder schön und präzise.In der Suche lässt sich Anoki gar nicht mehr vom Frauchen beeindrucken. Wenn er das Opfer in der Nase hat, dann kann Frauchen ihn ruhig suchen, dann geht er zum Opfer und macht seinen Job.
Die Unterordnung - wer hätte das gedacht - gefällt mir im Moment sehr gut. Wir haben in den letzten Wochen an einigen "Schönheitsfehlern" gearbeitet, die noch weiter bearbeitet werden müssen, aber vom Grundsatz her gesehen läuft er inzwischen sehr schön. Er klebt im Normalfall am Bein und schaut mich an, führt schnell und präzise die Kommandos aus und man merkt deutlich, dass er in den letzten Wochen ein ganzes Stück gereift ist. Man wird sehen, was die Ausbildung im 3. Lebensjahr bringen wird und wo sie uns hinführen wird.
Ich denke, es ist jetzt an mir, meine Nerven zusammen zu halten, um dann das Projekt Prüfung erneut anzugehen.
Ausbildung im 1. Lebensjahr
Weiterhin hat er seit seiner 9. Lebenswoche erste Schritte in Richtung Rettungshundeausbildung unternommen. Er hat gelernt, dass Menschen toll sind und dass man tolle Leckerchen von denen bekommt, wenn man zu ihnen hinläuft sich vor sie hinlegt. Mit zunehmender Trainingserfahrung hat er auch gelernt, dass es noch viel tollere Leckerchen gibt, wenn man dann auch noch bellt, was aber dennoch im ersten Lebensjahr eine Ausnahme bleiben sollte, da mein Hauptaugenmerk darauf lag, dass er sich vernünftig vor die Versteckperson legt und auf Abstand bleibt, weil es sich bei Anoki um ein so arbeitsgeiles Exemplar handelt, dass akute Gefahr bestehen würde, dass er die Leute in seinem Eifer einfach umrennt. Mit Ablauf seines 1. Lebensjahres ist sein Anzeigeverhalten aber schon sehr sicher und wird im 2. Lebensjahr gefestigt und präzisiert werden.
Dann hat Anoki noch gelernt, dass es sinnvoll ist, seine Nase einzusetzen, wenn er etwas bzw. jemanden sucht. Zu Beginn ist er immer erst einmal wild losgeschossen, wenn man ihn in die Suche geschickt hat. Im Laufe der Zeit hat er jedoch gemerkt, dass es besser ist, wenn man sich gleich zu Beginn auf seine Arbeit konzentriert und so schneller zu seinem Ziel kommt. Um das noch weiter zu verfeinern, wird in seinem 2. Lebensjahr weiter gezielte Witterungsarbeit betrieben werden.
Und da auch Unterordnung zum Leben eines angehenden Rettungshundes gehört, haben wir schon von Anfang daran gearbeitet, so dass Anoki vor Weihnachten soweit war, dass er im Großen und Ganzen eine sehr schöne, freudige und präzise Unterordnung gelaufen ist. Und dann setzte seine Pubertät so richtig ein und als ich aus der Kur kam, ging nicht mehr viel. Anoki lief wie ein Schluck Wasser neben mir her, ständig die Nase am Boden und am rumschnüffeln. Der Frühling kündigte sich an, so dass ich die Arbeit in der Unterordnung fast vollständig eingestellt habe und es nur noch darauf beschränkt habe, einzelne Sequenzen im Wohnzimmer zu trainieren und zu präzisieren. Zum Ende seines 1. Lebensjahres scheint es aber so zu sein, dass er sich langsam wieder fängt und sich an die Gerüche des Frühlings gewöhnt hat. Jedenfalls ist es stellenweise schon wieder möglich, dass er die Unterordnung freudig und konzentriert läuft. Aber solange er noch solche Anwandlungen zeigt, dass alles andere erst einmal spannender ist, werde ich nur wenig Unterordnung mit ihm machen und die Ablenkungen dabei so gering wie möglich halten.